Lebensdauer von Wärmepumpen
von Alexander Loerbroks 30.Juni

In letzter Zeit stolpere ich öfter über die Aussage, dass Wärmepumpen nicht lange leben und/oder ständig kaputt seien.
Das deckt sich mit meiner Erfahrung aus der Verwandtschaft, wo es im letzten Spätherbst hieß: „an der Wärmepumpe ist etwas kaputt und wir heizen seit Wochen mit dem elektrischen Heizstab, weil das „Ding“ nicht kommt“.
Was das Ding war, weiß ich bis heute nicht (Expansionsventil?). Nur, dass der Hersteller aus Kulanz ein Einsehen hatte und das Ding einbauen ließ, indem er „einen Mann“ vorbeischickte.
Möchte sagen: Hersteller und Handwerker sind zur Zeit mehr als ausgelastet und das ist wenig hilfreich für einen vorurteilsfreien Blick.

Zum Thema gibt es auch nicht viel im Netz*. Herrscht hier etwa eine Menge Meinung und überschaubares Wissen?
Um sie gleich zu enttäuschen: Viel habe ich dort auch nicht rausgekriegt. Glücklicherweise arbeite ich im Labor einer Hochschule und das Wärmepumpenlabor ist gleich nebenan….

Was sagen die Spezialisten im Nachbarlabor?
1. Das zur Lebenszeit einer Wärmepumpe zwei Verdichter gehören, scheint nicht ungewöhnlich. Gut, dass sich diese Erkenntnis dahingehend bei den Designern rumgesprochen hat, als dass ein Austausch leichter als früher von statten geht – also in einem Tag beim Kunden.

2. Jeder Start (wird auch „takten“ genannt) stresst die Wärmepumpe. Das Verdichterschmieröl läuft im Ruhezustand unten zusammen und muss bei jedem Anlaufvorgang wieder neu verteilt werden. Hier ist man um Entwicklung bemüht. Zum Beispiel das Öl extern warm zu halten.
Um das Takten einzuschränken, wird die Leistung des Verdichters an den Bedarf angepasst. Die Steuerung dieses Inverter-Kompressors analysiert den Heiz- oder Kühlbedarf und ein Frequenzumrichter passt anschließend die Leistung mittels Drehzahl an. Hilfreich und inzwischen State of the Art ist auch, den Verdichter langsam anzufahren. Schließlich hat jede größere Kreissäge auch einen Anlaufstrombegrenzer.

3. Apropos Strom: Die elektrischen Lasten für den Frequenzumrichter können hoch sein. Das lässt u.a. kleine Schalter leiden und ist für den Rest auch nicht eben ermüdungsfrei. Frequenzumrichter sind nicht trivial und hier ist noch Potenzial für Erfahrungen und Verbesserungen.

Fazit:
Die On-Off Wärmepumpe gehört der Vergangenheit an. Ziel ist eine Wärmepumpe, die bedarfsgeführt durchläuft. Moderne Anlagen können modulieren. Dass ein Frequenzumwandler inhärente Verluste hat, ist bekannt – aber die Vorteile überwiegen. Dass noch dazu die Wärmetauscher im Teillastbetrieb effektiver sind, spricht für den stetigen Dauerbetrieb. Klar ist aber: je weniger Takten, desto schonender der Betrieb. Inverter machen eine Wärmepumpe vielleicht nicht effizienter aber langlebiger.
Das ein Pufferspeicher hilft, die Anzahl der Startvorgänge zu reduzieren, ist lange bekannt. Wärmen sollten staufrei fließen können sonst kommt es zu Druckstörungen in den Fluidkreisläufen. Aber das ist eher ein Hinweis auf korrekte Montage und zum Verzicht auf unnötige Einhausungen (z.B. wegen Schallemissionen).

Daran, dass die Anlage richtig dimensioniert und verbaut sein muss, kommt niemand vorbei. Dazu braucht es eine Heizlastberechnung. Im Sanierungsfall nach der energetischen Ertüchtigung der Gebäudehülle. Bitte den „Angstzuschlag“ ablegen und nicht zu groß auslegen.

*gibt schon was: z.B. bei den energie-experten.org

Anmerkung: Wenn Sie zum Thema etwas konstruktives beisteuern können/möchten, würde ich mich freuen. Über das Kontaktfeld oder info@energieberater.de